Forschungsgebiete

Zu den Forschungsgebieten der Abteilung gehören die Wissens- und die Eignungsdiagnostik; Objektivität, Reliabilität und Validität in der Eignungs-, Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik; Methoden zur experimentellen Kontrolle sozialer Erwünschtheit (Randomized-Response- und Unmatched-Count-Technik); Sozialwahltheorie; individuelle und kulturelle Unterschiede in Kognition, Emotion, Motivation; Speed-Reading; Kognitive Psychologie des Schachspiels; Politikwissen; Riechdiagnostik; Evolutionäre Psychologie; Lügendetektion; Implizite Assoziationstests; Individuelle Unterschiede beim Rückschaufehler; Publication Bias in Meta-Analysen; Soziale Netzwerkanalyse;  Relativalterseffekte; Experimentelle Ästhetik.

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Projekte

Social choice theory
Jochen Musch & Sebastian Ullrich

Die Sozialwahltheorie (engl. "social choice theory") beschäftigt sich mit der Abbildung individueller Präferenzordnungen in eine gemeinsame Gruppenentscheidung. Im Rahmen der interdisziplinär und häufig auf der Basis der Spieltheorie betriebenen Sozialwahltheorie kann man untersuchen, inwieweit Gruppenentscheidungen in Abhängigkeit vom verwendeten Aggregationsverfahren Optimalitätskriterien erfüllen. Dabei lassen sich zwei Fälle unterscheiden. Im ersten Fall,  der beispielsweise bei demokratischen Wahlen vorliegt, ist eine normativ richtige Lösung für die auf Gruppenebene zu treffende Wahlentscheidung nicht identifizierbar, denn es gibt keine normativ „richtige“ Regierung. Es läßt sich aber die durch die Wahl erzeugte mittlere Unzufriedenheit aller Wähler mit dem Wahlergebnis anhand ihrer Präferenzordnung über alle Wahlalternativen hinweg bestimmen. Im Falle proportionaler Wahlsysteme wie bei Bundes- und Landtagswahlen ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl von Wählern nicht durch jede mögliche Koalitionsbildung garantiert. Vermeidbare Unzufriedenheit entsteht, wenn für die Gesamtheit der Wähler ein höherer Nutzen durch eine andere als die tatsächlich gebildete Koalition erreichbar gewesen wäre.

Von dieser ersten Fragestellung abzugrenzen ist ein zweiter Fall, in dem unabhängig von den individuellen Präferenzstrukturen der Gruppenmitglieder eine normativ eindeutig richtige Lösung identifiziert werden kann. Diese sollte dann durch die Gruppenentscheidung optimalerweise auch ausgewählt werden. Besonders für die Sozial- und Organisationspsychologie ist diese Fragestellung von Interesse.

Wir untersuchen, unter welchen Umständen und mit welchem Aggregations- bzw. Abstimmungsverfahren in Gruppen normativ richtige Lösungen am zuverlässigsten auch tatsächlich identifiziert werden, und wie im Falle des Fehlens normativ richtiger Lösungen vermeidbare Unzufriedenheit der Gruppenmitglieder am besten vermieden werden kann.

Experimentelle Umfrageforschung mit der Randomized-Response-Technik
DFG (Jochen Musch, Arndt Bröder, Edgar Erdfelder; Projektmitarbeiter: Martin Ostapczuk, Morten Moshagen)

Antwortverzerrungen können dazu führen, daß in Umfragen die Prävalenz sozial unerwünschter Verhaltensweisen und Einstellungen unterschätzt wird. Die Randomized-Response-Technik verspricht eine verbesserte Messung der Prävalenz sensibler Verhaltensweisen und Meinungen. Bei Anwendung der Technik entscheidet ein Zufallsgenerator, ob der Befragte gebeten wird, ehrlich auf die kritische Frage zu antworten, oder ob er unabhängig vom Frageninhalt aufgefordert wird, das Vorhandensein des sensiblen Merkmals zu bejahen. Der Ausgang des Zufallsexperiments ist dem Fragesteller nicht bekannt; das individuelle Antwortverhalten wird dadurch geschützt und bleibt anonym. Wir untersuchen Randomized-Response-Umfragen unter anderem im Kontext der Compliance bei der Einnahme von Arzneimitteln und der Einstellung gegenüber Ausländern.

Reproduzierende Diagnostik mit admissiblen Auswertungsfunktionen
Jochen Musch

Multiple-choice-Tests werden sehr häufig zur Leistungsmessung herangezogen. Zu ihren Nach­­teilen gehört, daß die einfache Auswertung eines Items als "richtig" oder "falsch" nur wenig diagnostisch nutz­bare Information liefert. Insbesondere zwingt das multiple-choice-Format den Test­teil­neh­mer zu raten, wenn er nur über partielles oder unsicheres Wissen verfügt. Bei der multiple-evaluation-Diagnostik gibt der Testteilnehmer seine Antwortsicherheit für alle Antwortalternativen an. Dabei sorgt eine geeignete Auszahlungsfunktion dafür, daß der Testnehmer sein erwartetes Abschneiden nicht mehr dadurch optimieren kann, daß er auf die ihm am plausibelsten erscheinende Antwortalternative "wettet". Eine bestimmte Klasse sogenannter "admissibler" Auswertungsfunktionen stellt stattdessen sicher, daß die vom Testteilnehmer angestrebte Maximierung des Testwerts nur durch die korrekte und unverfälschte Wiedergabe seines tatsächlichen - auch unsicheren - Wissens erreicht werden kann. Die reproduzierende Diagnostik mit admissiblen Auswertungsfunktionen erhebt den Anspruch, die Reliabilität und die Validität von Wissens- und Leistungstests zu verbessern. Untersucht wird, ob das Verfahren dieses Versprechen einlösen kann.

Wiedererkennen und Quellengedächtnis für Gesichter von Betrügern: Implikationen für die Sozialvertragstheorie
DFG (Axel Buchner, Raoul Bell & Jochen Musch)

Evolutionspsychologische Theorien (Cosmides, 1989; Cosmides & Tooby, 1989) erlauben die Vorhersage, dass Gesichter von »Betrügern« besonders gut erinnert werden, weil es adaptiv ist, sich in sozialen Interaktionen nicht ausnutzen zu lassen. Eine erste Untersuchung von Mealey, Daood und Krage (1996) scheint diese Vorhersage zu bestätigen. Leider weist dieser wichtige Befund jedoch eine Reihe von Problemen auf und erwies sich unter besser kontrollierten Bedingungen als nicht replizierbar (Mehl & Buchner, 2006). Unter modifizierten Bedingungen lässt sich jedoch zumindest ein Quellengedächtnisvorteil für Betrugsinformation finden: Dass eine Person betrogen hat, wird besser erinnert als dass sie ehrlich war. Aufbauend auf diesem Befund wollen wir in einer Serie von Experimenten untersuchen, ob das Gedächtnis für Betrugsinformation tatsächlich Besonderheiten aufweist und welche dies sind. Die experimentellen Ergebnisse haben Implikationen für den Status der evolutionspsychologischen Sozialvertragstheorie.

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