Forschung am Menschen

 
Behavioural economics

Forschungsprojekt in Elengata Wuas, Kenia

Natürlich ist es wichtig, experimentelle Laborforschung auf natürliche Umwelten übertragen zu können. Um dies zu erreichen, haben wir eine Reihe von Kooperationsprojekten der Archäologin Caroline Archambault, dem Ökonomen Joost de Laat und dem Neurowissenschaftler Johannes Haushofer in Bewegung gesetzt. Eins dieser Projekte findet in Elangata Wuas im Kajiado district von Maasailand im südwestlichen Kenia statt.

Mit der Hilfe der Behörden lokaler Gemeinden versuchen wir, die intertemporalen Entscheidungen sowie das prosoziale Verhalten der Maasai zu erforschen. Beispielsweise benutzen wir das Dictator Game um Großzügigkeit gegenüber den Mitmenschen zu erfassen. Im Dictator Game wird ein Versuchsteilnehmer, genannt „der Diktator“, mit einer bestimmten Menge Geld (bzw. einem anderen Gut) ausgestattet. Der Teilnehmer wird gebeten, das Geld zwischen sich und einer anderen Person aufzuteilen. Die so gesammelten Daten werden dann als repräsentatives Maß für die Großzügigkeit genutzt.

 

Neuroeconomics

Ökonomie wird, kurz gesagt, als die Summe aller Verhaltensweisen, welche das Ziel verfolgen, die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen, definiert. Dies impliziert vor allem das Beziehen, den Konsum und die Verteilung von Gütern. In den meisten Fällen werden ökonomische Prinzipien in abstrakte, mathematische, behaviorale Modelle gefasst. Diese Modelle geben normative Regeln vor, welche die Grundannahme teilen, dass Individuen stetig nach der Maximierung ihres eigenen Nutzens oder dem Nutzen der Gruppe, in der sie sich befinden, streben. Im Zuge des neuropsychologischen Voranschreitens in der Wissenschaft und der Entwicklung verschiedenster bildgebender Verfahren wurden viele dieser Prinzipien auf Basis von Human- oder Tierexperimenten erforscht. Dieses interdisziplinäre Ziel brachte einen neuen Wissenschaftszweig hervor: Die Neuroökonomie, welche sich hauptsächlich mit der Entscheidungsfindung von Individuen in verschiedenen ökonomischen Szenarios beschäftigt. Zum ersten Mal war es möglich, nach neuronalen Korrelaten individueller Prozesse zu suchen, welche letztendlich zu einer Entscheidung führten, so wie beispielsweise Risikoeinschätzung und die Beurteilung des subjektiven Werts für Alternativen. Bald schon hat diese neue Disziplin Inkonsistenzen zwischen dem Funktionieren neuronaler Netzwerke und den allgemein anerkannten ökonomischen Grundannahmen hervorgebracht. Ein Beispiel dafür betrifft die Intertemporal Choice. Die klassische Ökonomie sagt Verhalten im Sinne des „Homo Oeconomicus“ vorher, was auch bedeutet, dass das Individuum in der Lage ist, verfügbare Ressourcen und Güter hinsichtlich aktuellen und zukünftigen Bedürfnissen zu verwalten. Neurowissenschaftliche Experimente sprechen aber für eine starke Tendenz zur Entscheidung für den sofortigen Konsum – also für einen so genannten „Present bias“. Dieses Phänomen trifft auch auf die Vermeidung von Bestrafungen und aversiven Ereignissen zu. Jeder kennt den unangenehmen Termin beim Zahnarzt und die Tendenz, diesen verlegen zu lassen, selbst wenn diese Entscheidung zu einem sogar schmerzhafteren Ende führen könnte. Ein weiteres Beispiel ist die Inkonsistenz von Präferenzen. Die ökonomische Theorie nimmt an, dass ein Individuum axiomatisch solide Bedürfnisse haben muss, um rational handeln zu können. Wenn sich jemand bevorzugt für Option A statt für Option B entscheidet und Option B der Option C vorzieht, muss, so die ökonomische Theorie, Option A auch einen größeren subjektiven Wert haben als Option C. Neuroökonomische Experimente sagen jedoch etwas anderes. Viele der eigentlichen Mechanismen, welche der ökonomischen Entscheidung unterliegen, sind auf implizite Weise in uns Menschen verankert. Allerdings verhalten sich nicht nur Menschen so: Viele Verstoße gegen die ökonomischen Verhaltensprinzipien wurden auch bei der Forschung an Tiermodellen gefunden, was darauf hinweist, dass diese Entscheidungsmechanismen eine evolutionäre Basis haben. Beispielsweise entwickeln Ratten Verhaltensmuster, welche menschlichem Altruismus ähneln. Vögel kommen Menschen in der Einschätzung von Risiko und intertemporalen Entscheidungen gleich. Primaten zeigen dieselben Instabilitäten in ihren Präferenzen. Diese Ergebnisse legen uns nahe, dass sich die Prinzipien der ökonomischen Entscheidungsfindung bereits in der frühen Evolution herausgebildet haben müssen und dass sie als fitness-steigernde Überlebensfunktionen dienten. Auf dieser Überlegung gründet sich die „vergleichende Psychologie“, welche versucht, die Befunde der auf Tierversuchen basierenden Experimente der Neuroökonomie auf menschliches Verhalten zu übertragen. So versuchen wir zu ergründen, wie Mensch und Tier Entscheidungen treffen - ganz unabhängig ob gut oder schlecht. 

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